Frühlingskanons von Franz Schubert

In der Rubrik Mal wieder singen werden kurze Lieder vorgestellt, für die es keine besonderen Fertigkeiten braucht. Nur die Lust am Singen.
Schuberts jugendlicher Schaffensrausch
Im Jahre 1815 hat Franz Schubert zwei Kanons komponiert, die zu seinen Lebzeiten nicht gedruckt wurden. Willkommen, lieber schöner Mai und Der Schnee zerrinnt, der Mai beginnt auf Texte des Dichters Ludwig Hölty.
Der 18-Jährige unterrichtete damals als Schulgehilfe an der Schule seines Vaters, konzentrierte sich aber vornehmlich auf das Komponieren. Im September 1814 wurde sein erstes Werk, die Messe Nr. 1 in F-Dur in der Lichtentaler Pfarrkirche, Schuberts Heimatgemeinde in Wien, öffentlich aufgeführt.
1815 explodierte sein Oeuvre förmlich. Schubert komponierte zwei Messen (G-Dur und B-Dur), zwei Sinfonien (in B-Dur und D-Dur), das Streichquartett in g-moll, drei vollständige Opern (Der vierjährige Posten, Fernando und Claudine von Villa Bella) Werke für Klavier sowie rund 150 Lieder.
Frühlingskanons
Die Frühlingskanons erscheinen also fast wie eine Fingerübung, in kurzer Zeit zu Papier gebracht. Dies mindert aber nicht ihre Anmut und Schönheit.
Die beiden Kanons im 6/8 Takt haben einen leichtfüßigen, fröhlichen Charakter, der die heiteren, volksliedhaften Zeilen von Ludwig Hölty treffend in Musik setzt.
Gleichzeitig eignen sie sich wunderbar zur Stimmschulung, da beide Kanons einen großen Stimmumfang verlangen (b-es’’, as-f’’) und durch ihre syllabische Silbenverteilung durchaus Ansprüche an Atemführung und Artikulation setzen.
Willkommen, lieber schöner Mai,
dir tönt der Vögel Lobgesang!
Der Schnee zerrinnt,
der Mai beginnt
und Vogelschall tönt überall.
Wer weiß wie bald
die Glocke schallt.
Drum werdet froh,
Gott will es so,
genießt die Zeit,
die Gott verleiht.
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