Frühlingslieder von Ludwig Hölty

Die Texte des Dichters Ludwig Hölty (1748-1776) wurden von zahlreichen Liedkomponisten der Romantik vertont. Sie überzeugen durch ihre Natürlichkeit und Anmut und beschreiben auf besonders schöne Weise das Wesen der Natur.
Hölty und der Hainbund
Der Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty wurde 1748 in Mariensee in Niedersachsen geboren. Als Anhänger der Werke Friedrich Klopstocks war er Gründungsmitglied des 1772 gegründeten Göttinger Hainbunds. Diese Dichterverbindung, zu der unter anderem Johann Heinrich Voß und die Brüder Stolberg-Stolberg gehörten, inspirierte Hölty zu kunstvollen Gedichten, Balladen und Oden im Stile der empfindsamen Naturlyrik. Neben Klopstock war der Balladendichter Gottfried August Bürger ein Vorbild für seine zugleich volksliedhafte und bilderreiche Dichtung. Im Alter von 26 Jahren erkrankte Hölty an Tuberkulose und verstarb zwei Jahre später, am 1. September 1776 mit nur 28 Jahren.
Höltys Gedichte wurden von Komponisten der Romantik wie Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Fanny Hensel, Robert Schumann, Johannes Brahms, Conradin Kreutzer und vielen anderen vertont.
Höltys Frühlingslieder
Neben den Frühlingskanons (Link) hat Franz Schubert über zwanzig Kunstlieder auf Texte von Ludwig Hölty geschaffen. Seine berühmtesten Vertonungen sind Seligkeit D 433 und An den Mond D 193.
Hier hören Sie Kathleen Battle und James Levine mit einer zauberhaft jugendlichen Interpretation der Seligkeit D433.
Hier finden Sie eine innige Aufnahme mit Ian Bostridge und Julius Drake des Liedes An den Mond D 193.
Die Mainacht
Weniger bekannt ist Schuberts Vertonung von Höltys Mainacht. Anders als die weitaus bekanntere Vertonung von Johannes Brahms hat Schubert das Gedicht als schlichtes Strophenlied komponiert. In seiner Musik strömt die Schwermut, gepaart mit dem Gesang der Nachtigallen und Tauben wie ein nächtlicher Seufzer.
In Johannes Brahms Vertonung hingegen erklingt das existenzielle Ringen mit der Einsamkeit. In dieser außergewöhnlich schönen Komposition vertont er die onomatopoetischen Bilder des Textes in reichfarbiger Klanglichkeit.
Die Mainacht
Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt,
Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,
Und die Nachtigall flötet,
Wandl’ ich traurig von Busch zu Busch.
Selig preis ich dich dann, flötende Nachtigall,
Weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,
Ihrem singenden Gatten
Tausend trauliche Küsse gibt.
Überhüllet von Laub girret ein Taubenpaar
Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,
Suche dunklere Schatten,
Und die einsame Träne rinnt.
Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenrot
Durch die Seele mir strahlt, find ich auf Erden dich?
Und die einsame Träne
Bebt mir heißer die Wang herab.
Hier finden Sie eine berührende Aufnahme der Vertonung von Franz Schubert mit Carolyn Sampson und Joseph Middleton.
Andreas Schmidt und Helmut Deutsch musizieren in dieser Einspielung Brahms wunderbare Vertonung der Mainacht.
Frühlingslied
Das Gedicht Die Luft ist blau, das Tal ist grün existiert als Volkslied in unterschiedlichen Vertonungen, u.a. von Johann Friedrich Reichardt und August Harder.
Franz Schubert hat diese Preziose unter dem Titel Frühlingslied D243 für vierstimmigen Männerchor vertont. Auch hier hören wir die unnachahmliche Schubert’sche Verbindung von Lebenslust und Melancholie.
Das Männerensemble Die Singphoniker haben das Frühlingslied hier klangschön eingesungen.
Andres Maienlied (Hexenlied)
Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und spendet uns Blumen zum Kranze!
Bald huschen wir
Leis’ aus der Thür,
Und fliegen zum prächtigen Tanze!
Ein schwarzer Bock,
Ein Besenstock,
Die Ofengabel, der Wocken,
Reißt uns geschwind,
Wie Bliz und Wind,
Durch sausende Lüfte zum Brocken!
Um Belzebub
Tanzt unser Trupp,
Und küßt ihm die dampfenden Hände;
Ein Geisterschwarm
Faßt uns beym Arm,
Und schwinget im Tanzen die Brände!
Und Belzebub
Verheißt dem Trupp
Der Tanzenden Gaben auf Gaben;
Sie sollen schön
In Seide gehn,
Und Töpfe voll Goldes sich graben.
Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und Blumen entblühn um die Wette!
Bald huschen wir
Leis’ aus der Thür,
Und lassen die Männer im Bette!
Hier musizieren Sandrine Piau und Susan Manoff Mendelssohns virtuoses Meisterwerk.







