Mal wieder singen… Hab oft im Kreise der Lieben

In der Rubrik Mal wieder singen werden kurze Lieder vorgestellt, für die es keine besonderen Fertigkeiten braucht. Nur die Lust am Singen.
Frisch gesungen!
Unter dem Titel Frisch gesungen! veröffentlichte Adelbert von Chamisso das folgende Gedicht 1829 in seiner Sammlung Lieder und lyrische Gedichte
Frisch gesungen
Hab’ oft im Kreise der Lieben
Im duftigen Grase geruht
Und mir ein Liedlein gesungen,
Und alles war hübsch und gut.
Hab’ einsam auch mich gehärmet
In bangem, düsterem Mut
Und habe wieder gesungen,
Und alles war wieder gut.
Und manches, was ich erfahren,
Verkocht’ ich in stiller Wut.
Und kam ich wieder zu singen,
War alles auch wieder gut.
Sollst nicht uns lange klagen,
Was alles dir wehe tut,
Nur frisch, nur frisch gesungen!
Und alles wird wieder gut.
Adelbert von Chamisso
Beruflich war er in unterschiedlichen Feldern tätig: Er war Leutnant bei der preußischen Armee (gegen Frankreich kämpfend), war Dichter, Übersetzer, Lehrer für Altgriechisch, Herausgeber des Musenalmanachs und Mitglied des Nordsternbunds, einem Berliner Dichterkreis um Karl August Varnhagen und Friedrich de la Motte Fouqué. Nach mehreren eher mäßig erfolgreichen dichterischen Veröffentlichungen, gelang ihm mit der Erzählung „Peter Schlemihls wunderbare Geschichte“ aus dem Jahr 1814 ein großer literarischer Erfolg. Dieser Erfolg hielt ihn aber nicht davon ab, auf einem ganz anderen Gebiet tätig zu werden. Zwischen 1815-1818 nahm er als Naturforscher an einer Weltumseglung teil. Er erstellte Kartographien von Alaska, verfasste Beschreibungen der dort lebenden Ureinwohner sowie zahlreicher bis dato nicht beschriebener Pflanzen. Aufgrund dieser Arbeit wurde ihm 1819 die Ehrendoktorwürde der Universität Berlin verliehen.
Obgleich Chamisso so vielfältig interessiert und talentiert war, nahm Musik in seinem Leben keine große Rolle ein. Dass er die Macht des Gesanges mit so leichter Feder treffend auf den Punkt zu bringen vermochte, ist umso erstaunlicher.
Vertonung von Friedrich Silcher
Friedrich Silcher (1789-1860) veröffentlichte die erste Version des Liedes 1839, also ein Jahr nach dem Tod von Chamisso, in seinen 12 Lieder für Männerchor. Es entwickelte sich geradezu zu einem Kassenschlager der romantischen Chorliteratur des 19. Jahrhunderts und Silcher verfasste in der Folge noch weitere Vertonungen für andere Besetzungen.
Eine besondere Aufnahme dieser Original-Version mit Christian Elsner, James Taylor, Franz-Josef Seelig und Michael Volle finden Sie hier.
Aber auch in der Bearbeitung für Frauenchor ist das Lied sehr anrührend. Hier mit dem Mädchenchor Wernigerode:
Wer das Lied einfach mal wieder singen möchte, kann sich beim wunderbaren Liederprojekt des Carus-Verlags die Noten herunterladen und sich noch von der Aufnahme mit Cornelius Hauptmann und Sabine Schubert-Kessler inspirieren lassen.
Viel Vergnügen beim Lauschen und Singen!







