Adventskalender Teil 2 (13 – 24)

Die Adventszeit ist eine Zeit der Einkehr und des Besinnens. Anstatt äußerlichem Trubel, Eile und Herumgehetze verlangt es uns nach innerem Frieden, Harmonie und Geborgenheit. Das Singen, Lauschen und Genießen schöner Töne – alleine oder gemeinsam – verbindet uns mit der Quelle und schenkt uns Momente der Ruhe und Freude. Viel Vergnügen mit diesem klingenden Adventskalender (bitte zum jeweiligen Tag nach unten scrollen).

13 Minuit Chretiens (O Holy Night, O Heil’ge Nacht)

Adolphe Adam (1803-1856) veröffentlichte 1847 das Weihnachtslied Minuit Chretiens für Chor und Orgel, das mittlerweile in vielen Sprachen zu Weltruhm gelangt ist. Trotz seines Einsatzes in diversen Hollywood-Produktionen und Weihnachtsshows hat es nichts an seiner hymnischen Eindrücklichkeit verloren. Es entwickelt einen erhebenden Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Adolphe Adam bezeichnete das Lied als „religiöse Marsellaise“.
Den französischen Text verfasste der Jurist, Weinhändler und Dichter Placide Cappeau (1808- 1877), Der amerikanische Musikkritiker, Geistliche und Transzendalist John Sullivan Dwight (1813-1893) übertrug das Lied bereits 1855 ins Amerikanische, wo es bis heute unter dem Titel O Holy Night bekannt und beliebt ist.

Hier finden Sie eine sehr schöne A Cappella Version mit dem L’Accroche Choeur und dem Ensemble vocal Fribourg unter Jean Claude Fasel.

Beim heutigen Adventskonzert Dunkel-Licht wird dieses Lied ebenfalls zu hören sein. Das Konzert im Zentrum für LEBENsKUNST in Bammental mit Shin Hwang und Silke Schwarz beginnt um 19 Uhr. Wir freuen uns über Ihr Kommen!

Minuit, chrétiens, c’est l’heure solennelle,
Où l’Homme-Dieu descendit jusqu’à nous
Pour effacer la tache originelle
Et de Son Père arrêter le courroux.
Le monde entier tressaille d’espérance
En cette nuit qui lui donne un Sauveur.

Peuple à genoux, attends ta délivrance.
Noël, Noël, voici le Rédempteur !

De notre foi que la lumière ardente
Nous guide tous au berceau de l’Enfant,
Comme autrefois une étoile brillante
Y conduisit les chefs de l’Orient.
Le Roi des rois naît dans une humble crèche :
Puissants du jour, fiers de votre grandeur,

A votre orgueil, c’est de là que Dieu prêche.
Courbez vos fronts devant le Rédempteur.

Le Rédempteur a brisé toute entrave :
La terre est libre, et le ciel est ouvert.
Il voit un frère où n’était qu’un esclave,
L’amour unit ceux qu’enchaînait le fer.
Qui Lui dira notre reconnaissance,
C’est pour nous tous qu’Il naît, qu’Il souffre et meurt.

Peuple debout ! Chante ta délivrance,
Noël, Noël, chantons le Rédempteur !

14 Wie schön leuchtet der Morgenstern

Wie das Adventslied Wachet auf ruft uns die Stimme stammt auch dieses Lied von Philipp Nicolai und ist 1599 im Freudenspiegel des ewigen Lebens veröffentlicht worden. Nicolai betitelte es folgendermaßen: „Ein Geistlich Brautlied der gläubigen Seelen, von Jesus Christus irem himmlischen Bräutigam. Gestellt über den 45. Psalm des Propheten David.“
Der 45. Psalm ist das Lied zur Hochzeit des Königs. Wie schön leuchtet der Morgenstern ist also nicht ausschließlich als Weihnachtslied, sondern auch als Braut- oder Sterbelied angesehen worden. Der Mythos der Himmlischen Hochzeit, der im Text von Nicolai mit vielen Symbolismen ausgeziert worden ist leuchtet hier aufs Festlichste. Auffallend ist der markante, königliche Beginn der Melodielinie, der mit einer aufsteigenden Quinte beginnt und dann wieder im Dur-Dreiklang zum Grundton zurückkehrt. Es wird vermutet, dass Nicolai die Melodie von älteren Liedern übernommen hat. Im Straßburger Psalter (1538) und in der Liedsammlung Frische teutsche Liedlein von Georg Forster (Mitte des 16. Jhd.) erschienen Lieder mit ähnlicher Melodie.
Johann Sebastian Bach hat seine Kantate BWV 1 dem Lied gewidmet. Er beendete mit dieser Choralkantate seinen 1724 begonnenen ersten Choraljahrgang. 1725 wurde das Werk am 25 März zum Fest Mariä Verkündigung aufgeführt.

Hier hören Sie den ersten Satz der Kantate mit dem Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki.

Die Choralfassung in der Fassung von Johann Hermann Schein finden Sie hier mit dem Vocal Concert Dresden unter Peter Kopp.

1.
Wie schön leuchtet der Morgenstern
voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn,
die süße Wurzel Jesse.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm,
mein König und mein Bräutigam,
hast mir mein Herz besessen;
lieblich,
freundlich,
schön und herrlich,
groß und ehrlich,
reich an Gaben,
hoch und sehr prächtig erhaben.

2.
Ei meine Perl, du werte Kron,
wahr’ Gottes und Marien Sohn,
ein hochgeborner König!
Mein Herz heißt dich ein Himmelsblum;
dein süßes Evangelium
ist lauter Milch und Honig.
Ei mein
Blümlein,
Hosianna!
Himmlisch Manna,
das wir essen,
deiner kann ich nicht vergessen.

3.
Gieß sehr tief in das Herz hinein,
du leuchtend Kleinod, edler Stein,
mir deiner Liebe Flamme,
daß ich, o Herr, ein Gliedmaß bleib
an deinem auserwählten Leib,
ein Zweig an deinem Stamme.
Nach dir
wallt mir
mein Gemüte,
ewge Güte,
bis es findet
dich, des Liebe mich entzündet.

4.
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,
wenn du mich mit den Augen dein
gar freundlich tust anblicken.
Herr Jesu, du mein trautes Gut,
dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut
mich innerlich erquicken.
Nimm mich
freundlich
in dein Arme
und erbarme
dich in Gnaden;
auf dein Wort komm ich geladen.

5.
Herr Gott Vater, mein starker Held,
du hast mich ewig vor der Welt
in deinem Sohn geliebet.
Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut,
er ist mein Schatz, ich seine Braut,
drum mich auch nichts betrübet.
Eia,
eia,
himmlisch Leben
wird er geben
mir dort oben;
ewig soll mein Herz ihn loben.

6.
Zwingt die Saiten in Cythara
und laßt die süße Musika
ganz freudenreich erschallen,
daß ich möge mit Jesulein,
dem wunderschönen Bräut?gam mein,
in steter Liebe wallen.
Singet,
springet,
jubilieret,
triumphieret,
dankt dem Herren;
groß ist der König der Ehren.

7.
Wie bin ich doch so herzlich froh,
daß mein Schatz ist das A und O,
der Anfang und das Ende.
Er wird mich doch zu seinem Preis
aufnehmen in das Paradeis;
des klopf ich in die Hände.
Amen,
Amen,
komm, du schöne
Freudenkrone,
bleib nicht lange;
deiner wart ich mit Verlangen.

15 Kommet, ihr Hirten

Das Lied Kommet, ihr Hirten ist ein beschwingter Hirtengesang im 3/4 Takt. Es stammt aus Böhmen und wurde vom Leipziger Musiklehrer Carl Riedel (1827-1888) übertragen und 1870 in der Liedersammlung Altböhmische Gesänge veröffentlicht. Ursprünglich als Wechselgesang zwischen Engel und Hirten gedacht, ist das Lied ideal für ein weihnachtliches Krippenspiel. Die volksliedhafte Harmonik ist leicht zu begleiten, und die menuetthafte, zierliche Melodieführung ideal für junge Stimmen.

Hier finden Sie eine wunderbar tänzerische Fassung mit dem Rundfunk Jugendchor Wernigerode unter Robert Göstl.

Eine sehr schöne innige Fassung hat das Ensemble Quadro Nuevo eingespielt.

1
Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun,
kommet, das liebliche Kindlein zu schaun,
Christus, der Herr, ist heute geboren,
den Gott zum Heiland euch hat erkoren.
Fürchtet euch nicht.

2.
Lasset uns sehen in Bethlehems Stall,
was uns verheißen der himmlische Schall!
Was wir dort finden, lasset uns künden,
lasset uns preisen in frommen Weisen.
Halleluja.

3.
Wahrlich, die Engel verkündigen heut’
Bethlehems Hirtenvolk gar große Freud’.
Nun soll es werden Friede auf Erden,
den Menschen allen ein Wohlgefallen.
Ehre sei Gott.

16 Entre le boeuf

Das französische Krippenlied Entre le boeuf (Zwischen Ochs und Eselein) ist ein schlichtes, anrührendes Weihnachtlied, welches neben Les Anges dans nos Campagnes und Minuit Chretiens zu den bekanntesten französischen Weihnachtsliedern zählt. Es ist erstmalig 1876 in den Vieux Noëls von Henry Lemegnen erschienen und beschreibt die Krippenszene des schlafenden Jesuskindes. Neben Ochs und Esel und den Armen von Maria tauchen in der dritten Strophe mystische Bilder auf. Das Kind schläft zwischen Rosen und Lilien. In allen drei Strophen ist das Kind umgeben von tausenden Engeln und Seraphim. Ein würdiger Geburtstagskreis!
Hier finden Sie eine Aufnahme mit Silke Schwarz und Johannes Vogt an der E-Gitarre.

Entre le boeuf et l’âne gris
Dort, dort, dort le petit fils.
Mille anges divins, mille séraphins
Volent à l’entour de ce grand Dieu d’amour.

Entre les deux bras de Marie
Dort, dort, dort le fruit de vie
Mille anges divins, mille séraphins
Volent à l’entour de ce dieu d’amour.

Entre les roses et des lys
Dort, dort, dort le petit fils
Mille anges divins, mille séraphins
Volent à l’entour de ce dieu d’amour.

17 Heilige Nacht

1805 veröffentlichte Johann Friedrich Reichardt (1752 – 1814) den vierstimmigen Chorsatz Heilige Nacht. Reichardt, der ab 1775 Hofkapellmeister am Hof Firiedrichs des Großen war stand in engem Kontakt mit den großen Dichtern und Komponisten seiner Zeit. Er vertonte Singspiele auf Texte von Johann Wolfgang von Goethe und zahlreiche Lieder. Auch als Publizist zu musikalischen, gesellschaftlichen und politischen Themen tat Reichardt sich hervor. Da er offenkundige Sympathie für die französische Revolution äußerte, musste er 1794 sein Amt niederlegen und zog sich auf Gut Giebichenstein in der Nähe von Halle an der Saale zurück. Nach seiner Begnadigung 1796 durch den König bekam er ein völlig neues Aufgabengebiet. Er wurde Salinendirektor in Halle, war also verantwortlich für die Gewinnung und die Weiterverarbeitung von Salz, einem wichtigen wirtschaftlichen Zweig der Stadt.
In dieser Zeit wurde das Gut Reichardts Treffpunkt von Literaten und Musikern und wurde Dichterparadies Giebichenstein genannt. Nach einer Reise im Jahr 1803 nach Paris änderte er seine Haltung zur französischen Politik und wurde zum patriotischen Freiheitskämpfer. Auch der Textdichter des Liedes, der Jurist und evangelische Theologe Johann Friedrich von Mayer (1772-1849) galt als Freiheitskämpfer.
In Text und Musik des Liedes spiegelt sich aber nicht der Freiheitskampf, sondern die tiefe Verbundenheit. Heilige Nacht hat ähnlich wie das französische Minuit Chretien einen hymnisch erhebenden Charakter, der über alles Irdische hinausstrahlt.

Hier finden Sie eine Aufnahme mit dem Münchner Bachchor unter Hanns-Martin Schneidt.

Heilige Nacht, heilige Nacht!
Nacht der unendlichen Liebe!
Dass uns dein Segen vorbliebe
Wirst du uns wiedergebracht
Heilige Nacht, Heilige Nacht

Heilige Nacht, heilige Nacht
Lass uns im Erdengedränge
Tönen der Engel Gesänge
Bis unser Christtag erwacht
Heilige Nacht, heilige Nacht!

18 Adeste fideles

Es gibt nur wenige Weihnachtslieder, die so viele Textvarianten haben. Adeste fideles, Herbei, o ihr Gläubigen, Nun freut euch ihr Christen oder Oh come, all ye faithful. Die Urheberschaft liegt im Unklaren. In manchen Quellen wird argumentiert, dass Lied stamme aus Portugal, andere nennen die englischen Komponisten und Musiker John Francis Wade (1710-1786) oder John Reading als Urheber (1667-1764). Die älteste Textfassung stammt von 1760. In The Evening Office of Church erscheint der englische und lateinische Text des Liedes. Den deutschen Text Herbei, o ihr Gläubigen verfasste Friedrich Heinrich Ranke (1798-1876), der auch den Text von Tochter Zion gedichtet hat. Auch hier zeigt sich wieder die konfessionelle Kluft. Rankes Text steht im Evangelischen Gesangbuch. Im katholischen Gotteslob lautet der Text Nun freut euch, ihr Christen und stammt von Joseph Hermann Mohr. Da die Quellenlage sehr uneinheitlich ist, sind die Angaben unter Vorbehalt zu betrachten. Was sicher ist, ist, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als dieses Lied in der vollen Kirche vielstimmig und mit volltönig registrierter Orgel zu singen.

Wie das in der französischen Fassung in Notre Dame klingt, hören wir hier auf der schönen Aufnahme der Maitrise Notre Dame de Paris und den Maitrise de Radio France und Yves Castagnet an der Orgel. Die Leitung hat Henri Chalet.

1.
Adeste fideles laeti triumphantes,
Venite, venite in Bethlehem.
Natum videte Regem angelorum.
Venite adoremus, venite adoremus
Dominum.
2.
Deum de Deo, lumen de lumine,
Gestant puellae viscera.
Deum verum, genitum non factum.
Venite adoremus, venite adoremus
Dominum.
3.
Cantet nunc ‚Io‘, chorus angelorum;
Cantet nunc aula caelestium,
Gloria! Soli Deo Gloria!
Venite adoremus, venite adoremus
Dominum.
4.
Ergo qui natus die hodierna.
Jesu, tibi sit gloria,
Patris aeterni Verbum caro factum.
Venite adoremus, venite adoremus
Dominum.

1.
Nun freut euch, ihr Christen, singet Jubellieder
und kommet, o kommet nach Bethlehem.
Christus der Heiland stieg zu uns hernieder.
Kommt, lasset uns anbeten, kommt lasset uns anbeten,
kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.

2.
O sehet, die Hirten eilen von den Herden
und suchen das Kind nach des Engels Wort;
gehn wir mit ihnen, Friede soll uns werden.
Kommt, lasset uns anbeten …

3.
Der Abglanz des Vaters, Herr der Herren alle,
ist heute erschienen in unserm Fleisch;
Gott ist geboren als ein Kind im Stalle.
Kommt, lasset uns anbeten …

4.
Schaut, wie er in Armut liegt auf Stroh gebettet,
o schenken wir Liebe für Liebe ihm!
Jesus, das Kindlein, das uns all errettet:
Kommt, lasset uns anbeten…

1.
1.
Herbei, o ihr Gläub’gen, fröhlich triumphieret,
o kommet, o kommet nach Bethlehem!
Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren!
ǀ: O lasset uns anbeten, :ǀ
o lasset uns anbeten den König!

2.
Du König der Ehren, Herrscher der Heerscharen, verschmähst nicht zu ruhn in Marien Schoß,
Gott, wahrer Gott von Ewigkeit geboren.
O lasset uns anbeten …

3.
Kommt, singet dem Herren, singt, ihr Engelchöre! Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen:
»Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden!«
O lasset uns anbeten …

4.
Ja, dir, der du heute Mensch für uns geboren, Herr Jesu, sei Ehre und Preis und Ruhm,
dir, fleischgewordnes Wort des ewgen Vaters!
O lasset uns anbeten …

19 Tochetr Zion

Georg Friedrich Händel (1685-1759) komponierte die Melodie von Tochter Zion als Triumphchor für sein Oratorium Josua (1747). Er schätzte ihn offenbar so sehr, dass er ihn auch in sein Oratorium Judas Maccabäus aufnahm, welches bereits ein Jahr früher entstanden ist. Mit dem deutschen Text von Friedrich Heinrich Ranke (1798-1876) wurde Tochter Zion schnell zum populären Lied. Das hatte zum einen den Grund, dass nach der deutschen Erstaufführung 1786 in Berlin der Chor sich als patriotischer Gesang rasch verbreitete und auf Feiern aller Art gesungen wurde. Möglicherweise lag es auch daran, dass Rankes Schwägerin, die Sängerin und Komponistin Louise Reichardt es 1826 in ihrer Sammlung Christliche liebliche Lieder veröffentlichte. Die Tochter des Komponisten Johann Friedrich Reichardt ordnete das Stück allerdings in diesem Werk nicht dem Weihnachtsfest, sondern dem Palmsonntag zu.
Hier finden Sie eine festliche instrumentale Variante mit dem Posaunenquintett Berlin:

Ludwig van Beethoven komponierte 12 Variationen für Violoncello und Klavier über das Thema von Händel. Das Frühwerk WoO 73 von 1796 zeigt bereits Beethovens außerordentliche Fähigkeiten auf dem Gebiet der Variationen. Eine Aufnahme mit Laurence Lesser, Cello und Hae Sun Park am Klavier finden Sie hier.

1.
Tochter Zion, freue dich!
Jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir!
Ja, er kommt, der Friedensfürst.
Tochter Zion, freue dich!
Jauchze laut, Jerusalem!

2.
Hosianna, Davids Sohn,
sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ew’ges Reich.
Hosianna in der Höh’.
Hosianna, Davids Sohn,
sei gesegnet deinem Volk!

3.
Hosianna, Davids Sohn,
sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron,
du, des ew’gen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn,
sei gegrüßet, König mild!

20 Lieb Nachtigall, wach auf

Nach all den hymnischen Liedern der letzten Tage erklingt am heutigen Tag ein schlichtes, anrührendes Kinderlied. Textdichter und Komponist sind unbekannt. Zum ersten Mal erscheint es 1670 im Bamberger Liederbuch. Die Nachtigall, poetisch auch Philomele genannt, ist die Nachtsängerin und Botschafterin der Liebe. Im christlichen Kontext steht sie für die Himmelssehnsucht. 1523 veröffentlichet Hans Sachs die Wittenbergische Nachtigall, in dem er sich zur Reformation bekannte und seinen Ruhm als Meistersinger prägte. Richard Wagner übernahm die Eröffnungsverse der Wittenberger Nachtigall im III. Aufzug / Szene 5 in der Oper Die Meistersinger von Nürnberg. Auch dieser Vers beginnt mit einem Ruf an die Nachtigall, aufzuwachen.

Wacht auf, es nahet gen den Tag,
ich hör‘ singen im grünen Hag
ein‘ wonnigliche Nachtigal,
ihr‘ Stimm‘ durchdringet Berg und Tal;
die Nacht neigt sich zum Okzident,
der Tag geht auf von Orient,
die rotbrünstige Morgenröt‘
her durch die trüben Wolken geht.

Hier finden Sie eine Aufnahme mit Justus Schwarz, Knabensopran und Johannes Vogt, E-Gitarre.

1.
Lieb Nachtigall, wach auf!
Wach auf, du schönes Vögelein
auf deinem grünen Zweigelein,
wach hurtig auf, wach auf!
Dem Kindelein auserkoren,
heut geboren, halb erfroren,
sing, sing, sing, sing,
dem zarten Jesulein!

2.
Flieg her zum Krippelein!
Flieg her, geliebtes Schwesterlein,
blas an dem feinen Psalterlein,
sing, Nachtigall, gar fein.
Dem Kindelein musiziere,
koloriere, jubiliere,
sing, sing, sing, sing,
dem süßen Jesulein!

3.
Stimm, Nachtigall, stimm an:
den Takt gib mit den Federlein
auch freudig schwing die Flügelein,
erstreck dein Hälselein!
Der Schöpfer ein Mensch will werden
mit Gebärden hier auf Erden:
sing, sing, sing, sing
dem werten Jesulein!

4.
Sing, Nachtigall, ohn‘ End,
zu vielen hunderttausend Mal,
das Kindlein lobe ohne Zahl,
ihm deine Liebe send!
Dem Heiland mein Ehr‘ beweise,
lob‘ und preise, laut und leise,
sing, sing, sing, sing,
dem Christuskindelein!

21 O du fröhliche

Als ich im vergangenen Juni die beeindruckenden Bauwerke im „Valle dei Tempi“ in Agrigento auf Sizilien besuchen durfte, erklang bei 38 °C im Schatten auf einmal ein wohlbekanntes Lied. Aus einiger Entfernung läuteten die Kirchenglocken mit der Melodie eines der berühmtesten deutschen Weihnachtslieder: O du fröhliche.
Die Melodie dieses erhebenden Liedes stammt aus Sizilien und wurde dort als Marienlied gesungen. Sein Text ähnelt dem Salve regina und lautet:

O santcissima, o piissima
dulcis virgo Maria,
Mater amata,
intermerata,
ora, ora pro nobis

Johann Gottfried Herder (1744-1803) hat das Lied vermutlich 1788 auf seiner Italienreise kennengelernt. Es wurde 1805 posthum in die zweite Ausgabe seiner Sammlung Stimmen der Völker in Liedern aufgenommen.
Der deutsche Text stammt aus der Feder von Johannes Daniel Falk (1768–1826). Falk war Dichter und Laientheologe und kümmerte sich um Kriegswaisen. Für diese schrieb er 1816 die heute bekannte erste Strophe. Der Dichter Heinrich Holzschuher (1798-1847) ergänzte die zweite und dritte Strophe. Diese Fassung wurde 1826 erstmalig in der Weihnachtsausgabe des Bayerischen Landboten publiziert. Falk schrieb zusätzlich noch eine Oster und Pfingststrophe und nannte das Lied Allerdreifeiertagslied. Die zweite und dritte Strophe lautete:

2.
O du fröhliche, o du selige
Gnadenbringende Osterzeit
Welt lag in Banden
Christ ist erstanden
Freue, freue dich, o Christenheit

3.
O du fröhliche, o du selige
Gnadenbringende Pfingstenzeit
Christ unser Meister
heiligt die Geister
Freue, freue dich, o Christenheit

Bereits drei Jahre früher, im Schicksalsjahr 1813 veröffentlichte Theodor Körner das Lied in einem gänzlich anderen Kontext. Unter dem Titel Gebet vor der Schlacht erschien es mit dem folgenden Text:

1.
Hör uns, Allmächtiger!
Hör uns, Allgütiger!
Himmlischer Führer der Schlachten!
Vater, Dich preisen wir!
Vater, wir danken Dir
daß wir zur Freiheit erwachten.

2.
Wie auch die Hölle braust
Gott, Deine starke Faust
stürzt das Gebäude der Lüge.
Führ uns, Herr Zebaoth
führ, dreiein’ger Gott
führ uns zur Schlacht und zum Siege!

3.
Führ uns! – Fall‘ unser Los
auch tief in Grabes Schoß:
Lob doch und preis Deinen Namen!
Reich, Kraft und Herrlichkeit
sind Dein in Ewigkeit!
Führ uns, Allmächtiger! Amen.

Im 1882 erschienen Liederbuch für Sonntagsschulen der Deutsch-Evangelischen Synode von Nord Amerika erschien eine Variation von friedensorientierten, spirituellen Strophen, die heute leider in Vergessenheit geraten sind:

2.
O du fröhliche o du selige
Freudenbringende Weihnachtszeit
Hosianna schmücket
Dem der so beglücket
Hell sein Fest der Seligkeit

3.
O du fröhliche o du selige
Friedenbringende Weihnachtszeit
Finsternis vergehet
Gottes Reich erstehet
Gottes Reich in Fried u Freud

4.
O du fröhliche o du selige
Weltverklärende Weihnachtszeit
Laßt die Lichter brennen
Daß wir den erkennen
Der einst kommt in Herrlichkeit

Der Mädchenchor Wernigerode hat eine engelsgleiche Aufnahme veröffentlicht, die Sie hier finden:

1.
O du fröhliche, O du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ward geboren:
Freue, freue dich, O Christenheit!

2.
O du fröhliche, O du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen:
Freue, freue dich, O Christenheit!

3.
O du fröhliche, O du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen dir Ehre:
Freue, freue dich, O Christenheit!

22 Ich steh’ an deiner Krippen hier

Wir kennen das Lied auf den Text von Paul Gerhardt (1607-1676) in zwei Versionen. Die im katholischen Gotteslob abgedruckte ist die ursprüngliche Melodie von Johann Georg Ebeling. Sie wurde 1653 in Johann Crügers Gesangbuch mit dem Titel Praxis Pietatis Melica gedruckt. Johann Sebastian Bach hat sie als Choral für sein Weihnachtsoratorium BWV 248, Kantate Nr.6 (Nr. 59) vertont. Der Choral erklingt nach der Ankunft der Könige im Stall und unterstreicht ihre Anbetung.

Hier finden Sie die Aufnahme mit dem Arnold Schönberg Chor und dem Concentus Musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt.

Bach hat den Text Paul Gerhardts für das Schemelli’sche Liederbuch (1736) mit einer eigenen Melodie versehen, die heute in evangelischen aber auch ökumenischen Kontexten seinen festen Platz im Weihnachstrepertoire hat (BWV 469). Diese Fassung gehört zu den schönsten Krippenliedern überhaupt. In ihr verbinden sich Hoffnung und Wehmut. Im mystischen Kontext, der sich auch in der Textvorlage von Paul Gerhardt spiegelt, verweist dies auf das Phänomen des Mysterium Coniunctionis, die Vereinigung der Gegensätze.

Hier finden Sie die eine Aufnahme mit dem Harvesthuder Chamber Choir unter der Leitung von Claus Bantzer:

Auch die Fassung für fünf Männerstimmen mit dem Carus Quintett ist hörenswert:

1.
Ich steh‘ an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring‘ und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohl gefallen.

2.
Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast dich mir zu eigen gar,
eh’ ich dich kannt’, erkoren.
Eh’ ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

3.
Ich lag in tiefer Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud’ und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen.

4.
Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib’ ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär’
und meine Seel’ ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen.

23 Vom Himmel hoch, da komm ich her

Martin Luthers Verkündigungslied des Engels umfasst 15 Strophen. Er verfasste es auf die Melodie des Volkslieds „Ich kumm auß frembden landen her und bring euch vil der newen mär“. 1535 erschien es im Klug’schen Gesangbuch. Offensichtlich war nicht allen klar, wer das lyrische Ich des Gesangs war, denn 1555 verfasste der Pfarrer Valentin Triller eine erläuternde Strophe, die im kirchlichen Kontext dem Lied vorangestellt wurde.

Es kam ein Engel hell und klar
von Gott aufs Feld zur Hirtenschar;
der war gar sehr von Herzen froh
und sprach zu ihnen fröhlich so:

Viele Komponisten / Dichter nutzten die Melodie des Liedes mit anderen Texten. Paul Gerhardt unterlegte den Text „Wir singen dir, Immanuel“. Christian Füchtegott Gellert nutzte die Vorlage für das Lied „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“ und Johann Sebastian Bach verwendete die Melodie gleich drei Mal in seinem Weihnachtsoratorium in drei unterschiedlichen Chorälen:

Ach mein herzliebstes Jesulein (Kantate 1, Nr. 9, Vertonung der Strophe 13 der lutherischen Vorlage)

Schaut hin, dort liegt im finstern Stall (Kantate 2, Nr. 17, Text von Picander)

Wir singen dir in deinem Heer (Kantate 2, Nr. 23, Text von Picander)

Mit dem dritten Choral „Wir singen dir in deinem Heer“ schließt Bach die zweite Kantate ab. Er integriert in den Choral anmutige Bläserzwischenspiele, die an die Hirteninstrumente erinnern, die er im ersten Stück der zweiten Kantate, der Sinfonia, aufs Schönste zum Klingen bringt. Hier hören Sie eine schöne Aufnahme mit dem Ensemble der J.S.Bach Stiftung unter Rudolf Lutz.

Eine wunderbare instrumentale Aufnahme von Vom Himmel hoch mit dem Blechbläserensemble German Brass finden Sie hier:

1.
Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her,
ich bring‘ euch gute neue Mär,
der guten Mär bring‘ ich soviel,
davon ich sing’n und sagen will.

2.
Euch ist ein Kindlein heut geborn
von einer Jungfrau auserkorn,
ein Kindelein so zart und fein,
das soll eur Freud und Wonne sein.

3.
Es ist der Herr Christ, unser Gott,
der will euch führn aus aller Not,
er will eur Heiland selber sein,
von allen Sünden machen rein.

4.
Er bringt euch alle Seligkeit,
die Gott der Vater hat bereit‘,
daß ihr mit uns im Himmelreich
sollt leben nun und ewiglich.

5.
So merket nun das Zeichen recht:
die Krippe, Windelein so schlecht,
da findet ihr das Kind gelegt,
das alle Welt erhält und trägt.

6.
Des laßt uns alle fröhlich sein
und mit den Hirten gehn hinein,
zu sehn, was Gott uns hat beschert,
mit seinem lieben Sohn verehrt.

7.
Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin,
was liegt doch in dem Krippelein?
Wes ist das schöne Kindelein?
Es ist das liebe Jesulein.

8.
Sei mir willkommen, edler Gast!
Den Sünder nicht verschmähet hast
und kommst ins Elend her zu mir:
Wie soll ich immer danken dir?

9.
Ach Herr, du Schöpfer aller Ding,
wie bist du worden so gering,
daß du da liegst auf dürrem Gras,
davon ein Rind und Esel aß!

10.
Und war die Welt vielmal so weit,
von Edelstein und Gold bereit‘,
so war sie doch dir viel zu klein,
zu sein ein enges Wiegelein.

11.
Der Sammet und die Seiden dein,
das ist grob Heu und Windelein,
darauf du König groß und reich
herprangst, als wärs dein Himmelreich.

12.
Das hat also gefallen dir,
die Wahrheit anzuzeigen mir,
wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.

13.
Ach mein herzliebes Jesulein,
mach dir ein rein sanft Bettelein,
zu ruhen in meins Herzens Schrein,
daß ich nimmer vergesse dein.

14.
Davon ich allzeit fröhlich sei,
zu springen, singen immer frei
das rechte Susaninne schön,
mit Herzenslust den süßen Ton.

15.
Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
der uns schenkt seinen eingen Sohn.
Des freuen sich der Engel Schar‘
und singen uns solch neues Jahr.

24 Stille Nacht

Die Geschichte von Joseph Mohr und dem Schullehrer Gruber ist zu oft erzählt, als dass sie hier noch Platz zu finden braucht. Interessant ist aber, woher Mohr seine Inspiration zu diesem Klassiker bekommen hat. Auf der Orgelempore einer Dorfkirche entdeckte man ein lateinisches Gedicht, das möglicherweise als Vorlage zu Stille Nacht gedient hat. Der Text lautet folgendermaßen:

Alma nox, tacita nox!
Omnium silet vox,
sola virgo nunc beatum
ulnis fovet, dulcem natum,
Pax tibi, puer pax!

Alma nox, tacita nox!
Angeli sonat vox
Halleluja! O surgite
pastores hic accurite!
Christus Deus adest.

Alma nox, tacita nox!
O Jesus tua vox
amorem redemptos esse clamat
in tuo natali.

In der deutschen Übertragung bedeutet es sinngemäß:

Seelige Nacht, stille Nacht
Alle Stimmen schweigen
Nur die gesegnete Jungfrau jetzt
birgt in den Armen das süße Kind.
Friede mit dir, Kind, Friede.

Seelige Nacht, stille Nacht
Der Engel Stimme erklingt
Halleluja! O erhebt euch,
Hirten, eilt hierher.
Christus Gott ist da.

Seelige Nacht, stille Nacht
O Jesus deine Stimme
verkündet, dass wir aus Liebe erlöst sind
in deiner Geburt

Hier finden Sie eine innige Aufnahme des Thomanerchors Leipzig unter Georg Christoph Biller.

Zum Abschluss des Kalenders wünsche ich allen eine seelige, gesegnete Weihnachtszeit und einen innigen Übergang in ein freudvolles, friedvolles und klangvolles Jahr 2026.

Ihre Silke Schwarz

1.
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
nur das traute hoch heilige Paar.
„Holder Knabe im lockigen Haar,
schlaf in himmlischer Ruh‘,
schlaf in himmlischer Ruh‘!“

2.
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
lieb‘ aus deinem göttlichen Mund,
da uns schlägt die rettende Stund‘:
Jesus in deiner Geburt.
Jesus in deiner Geburt.

3.
Stille Nacht, heilige Nacht,
Hirten erst kundgemacht!
durch der Engel Halleluja
tönt es laut von Ferne und Nah:
Jesus, der Retter ist da!
Jesus, der Retter ist da!

Quellen

Theo und Sunhilt Mang: Der Liederquell. Dörfler Verlag, 2015.

Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 151 deutsche Advents- und Weihnachtslieder.Schott, 2008.

Alojado-Liederarchiv: https://www.lieder-archiv.de/lieder_themen.html

Volksliedarchiv https://www.volksliederarchiv.de/

Zum Weiterlesen