Adventskalender Teil 1 (1 – 12)

von | 30 Nov. 2025 | Allgemein, Musik, Schön tönen

Die Adventszeit ist eine Zeit der Einkehr und des Besinnens. Anstatt äußerlichem Trubel, Eile und Herumgehetze verlangt es uns nach innerem Frieden, Harmonie und Geborgenheit. Das Singen, Lauschen und Genießen schöner Töne – alleine oder gemeinsam – verbindet uns mit der Quelle und schenkt uns Momente der Ruhe und Freude. Viel Vergnügen mit diesem klingenden Adventskalender (bitte zum jeweiligen Tag nach unten scrollen).

1 Wir sagen euch an den lieben Advent

Wie geht die dritte Strophe nochmals? Fast jeder kennt dieses Adventslied, aber kaum einer beherrscht alle vier Strophen. Noch weniger wissen, wer der Komponist dieses Liedes ist. Es handelt sich um die Wiener Hauptschullehrerin Maria Frischli (1895 – 1982), die 1954 Text und Musik veröffentlichte. Das Lied erschien im Weihnachts-Singbuch von Heinrich Rohr. Es wurde zum Adventsansagen von Kindern während des Gottesdienstes gesungen. In der Adventszeit wurde am Anfang der Messe oder vor dem Evangelium die jeweilige Kerze angezündet, während das Lied erklang. Die Kinder sangen die Strophe und die Gemeinde stimmte in den jeweiligen Kehrvers mit ein. Mittlerweile wird das Lied nicht nur in katholischen Adventsgottesdiensten gesungen. Es ist eine feste Größe sowohl im Gotteslob, als auch im Evangelischen Gesangbuch.

1.
Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet die erste Kerze brennt.
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Machet dem Herrn die Wege bereit.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

2.
Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die zweite Kerze brennt.
So nehmet euch eins um das andere an,
wie auch der Herr an uns getan.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

3.
Wir sagen euch an den lieben Advent.
Seht die dritte Kerze brennt.
Nun tragt eurer Güte hellen Schein
weit in die dunkle Welt hinein.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

4.
Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die vierte Kerze brennt.
Gott selber wird kommen, er zögert nicht.
Auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht.
Freut euch, ihr Christen,
freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Hier finden SIe den Link zur Aufnahme mit dem Vocalconsort Leipzig, unter der Leitung von Gregor Meyer

2 Wachet auf, ruft uns die Stimme

Text und Musik dieses mystischen Adventslieds stammen von Philipp Nicolai (1556-1608). Der Dichter und lutherische Pastor veröffentlichte das Kirchenlied im Freudenspiegel des ewigen Lebens (1599). In dieser Zeit wütete die Pest in Mitteldeutschland und forderte eine hohe Anzahl an Opfern. Im Text bezieht sich Nicolai auf das Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen in Mt 25, 1-13. Er beschreibt die Vorbereitung auf Weihnachten als ein Prozess des Erwachens, in dem die Menschen sich bereit machen, sich mit Jesu, ihrem Bräutigam zu vermählen.
Das Lied wurde von zahlreichen Komponisten mehrstimmig vertont und in Kantaten und Oratorien aufgenommen. Michael Praetorius veröffentlichte bereits 1610 in den Musae Sionae einen vierstimmigen Satz, der vom Vocalconcert Dresden unter der Leitung von Peter Kopp musiziert wird.

Johann Sebastian Bach widmete dem Choral seine Kantate BWV 140 (1731). In diesem Meisterwerk wird die Nicolai’sche Vorlage aufs kunstvollste verarbeitet. Bach nimmt zudem die mystischen Metaphern auf und verdichtet sie in den Duetten zwischen der Seele (Sopran) und Jesus (Bass). Im dritten Satz beginnt das Duett mit einem Violinsolo. Bach beginnt mit einem Auftaktmotiv, welches er vier Jahre zuvor der Alt- Arie Erbarme dich (Matthäus-Passion BWV 244) vorangestellt hat. Eine Aufnahme mit Dorothee Mields, Tobias Berndt und dem Ensemble Das Neue Orchester unter Christoph Spering finden Sie hier.

1.
„Wachet auf“; ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
wach auf, du Stadt Jerusalem!
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde:
Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräut’gam kommt!
Steht auf, die Lampen nehmt!
Halleluja!
Macht euch bereit
zu der Hochzeit;
ihr müsset ihm entgegengehn!

2.
Zion hört die Wächter singen;
das Herz tut ihr vor Freude springen;
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn!
Hosianna!
Wir folgen all
zum Freudensaal
und halten mit das Abendmahl.

3.
Gloria sei dir gesungen
mit Menschen- und mit Engelzungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore
an deiner Stadt, wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört
solche Freude.
Des jauchzen wir
und singen dir
das Halleluja für und für.

3 Es kommt ein Schiff, geladen

Auch das dritte Lied des Adventskalenders trägt mystische Züge. Es wird dem Mystiker Johannes Tauler (1294-1361) zugeschrieben, wobei die Herkunft der Melodie nicht ganz geklärt ist. Der protestantische Pastor Daniel Sudermann hat den Text des Liedes im 16. Jhd. in den Schriften Taulers entdeckt und im Straßburger Gesangbuch veröffentlicht. Die Melodie erschien zum ersten Mal 1608 im Andernacher Gesangbuch.
In den Predigten Taulers stand das Schiff als Metapher für die Seele. Gleichzeitig wird das Schiff auch in Verweis auf die Sprüche Salomonis als Symbol der Gottesmutter Maria verstanden. In der lateinischen Fassung von Spr. 9,1 heißt es: Sapientia navem fabricavit (Die Weisheit hat ein Schiff gebaut). Die Gottesmutter galt im Mittelalter als Sapientiae und wurde in marianischen Hymnen als navis (Schiff) oder arca (Arche) besungen.

1.
Es kommt ein Schiff,
geladen bis an sein‘ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewig’s Wort.

2.
Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein’ teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig’ Geist der Mast.

3.
Der Anker haft‘ auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort tut Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

4.
Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muß es sein.

5.
Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muß vorher mit ihm leiden
groß’ Pein und Marter viel,

6.
danach mit ihm auch sterben
und geistlich aufersteh’n,
ewig’s Leben zu erben,
wie an ihm ist gescheh’n.

Aufnahme mit dem Kammerchor der Humboldt Universität Berlin unter Rainer Ahrens.

4 Macht hoch die Tür

Der Text des Adventslieds Macht hoch die Tür basiert auf den Psalmversen Ps 24, 7-10.

Hebt eure Häupter empor, ihr Tore, und hebt euch, ihr ewigen Pforten, damit der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Es ist der HERR, der Starke und Mächtige, der HERR, der Held im Streit! Hebt eure Häupter empor, ihr Tore, ja, hebt [eure Häupter], ihr ewigen Pforten, damit der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist denn dieser König der Herrlichkeit? Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit! (Ps 24, 7-10, Schlachter Übersetzung)

Georg Weissel (1590-1634) schrieb das Lied anlässlich der Eröffnung seiner Altroßgärter-Pfarrkirche in Königsberg (1623). Es sind also nicht nur die Tore des Himmels, sondern auch die Tore der Kirche gemeint, durch die der Pastor die Gemeinde einziehen lassen wollte.
Besonders schön ist diese Stück mit der Begleitung von Blechbläsern. Hier finden Sie eine Aufnahme mit Semper Brass Dresden, den Bläsern der sächsischen Staatskapelle.

1.
Macht hoch die Tür‘, die Tor‘ macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich‘;
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Segen mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

2
Er ist gerecht, ein Helfer wert,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron‘ ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all uns’re Not zum End‘ er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

3.
O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat!
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein!
Er ist die rechte Freudensonn‘,
bringt mit sich lauter Freud‘ und Wonn‘.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

4.
Macht hoch die Tür’, die Tor‘ macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’t.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud’;
so kommt der König auch zu euch,
ja Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad‘,

5.
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

5 . Maria durch ein’n Dornwald ging

Im Andernacher Gesangbuch (1608) erschien das Lied Jesum und seine Mutter zahrt, welches als Vorläufer des heute bekannten Liedes gilt. Es wurde dort in der Rubrik Gesang in der Grenzwoch (Karwoche) veröffentlicht. Zum Weihnachtslied wurde Maria durch ein Dornwald ging erst im 19. Jahrhundert durch die Überarbeitung von August von Harthausen. Er nahm das Lied 1850 in die Sammlung der Geistlichen Volksliedern auf. Es entwickelte sich zum beliebten Weihnachtslied und wurde 1908 in Breuers Zupfgeigenhansel aufgenommen.
Erst im 20 Jahrhundert sind mehrstimmige Sätze des Werkes entstanden.

Hugo Distler (1908-1942) hat das Lied zweimal vertont. 1933 als dreistimmigen Satz für Frauenchor und 1939 als vierstimmigen gemischten Chor. Der dreistimmige SSA-Satz ist von besonderer ätherischer Melancholie. Auch wenn Distler die Schwermut des Liedes auskostet, endet er mit einer piccardischen Terz. Der Satz steht also am Ende in Dur. Hier finden Sie eine Aufnahme mit dem Leipziger Universitätschor unter der Leitung von Wolfgang Unger.

Hier finden Sie eine achtstimmige Version von Stefan Claas (1968-2021), gesungen vom englischen Ensemble Voces 8. Diese wurde 2017 uraufgeführt.

1

Maria durch ein‘ Dornwald ging.
Kyrieleison!
Maria durch ein‘ Dornwald ging,
der hatte in sieben Jahr’n kein Laub getragen!
Jesus und Maria.

2.

Was trug Maria unterm Herzen?
Kyrieleison!
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

3.

Da haben die Dornen Rosen getrag’n;
Kyrieleison!
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria. 

4.

Wie soll dem Kind sein Name sein?
Kyrieleison!
Der Name, der soll Christus sein,
das war von Anfang der Name sein!
Jesus und Maria.

 5.

Wer soll dem Kind sein Täufer sein?
Kyrieleison!
Das soll der Sankt Johannes sein,
der soll dem Kind sein Täufer sein!
Jesus und Maria.

 6.

Was kriegt das Kind zum Patengeld?
Kyrieleison!
Den Himmel und die ganze Welt,
das kriegt das Kind zum Patengeld!
Jesus und Maria.

 7.

Wer hat erlöst die Welt allein?
Kyrieleison.
Das hat getan das Christkindlein,
das hat erlöst die Welt allein!
Jesus und Maria.

6 Was soll das bedeuten

Dieses Hirtenlied stammt vermutlich aus Schlesien. Hoffmann von Fallersleben hat es gesammelt und in den Schlesischen Volksliedern veröffentlicht. Es wird vermutet, dass das Lied aus einem Krippenspiel des 17. oder 18. Jahrhundert stammt, die genaue Herkunft und Entstehungszeit ist jedoch ungeklärt. Das Lied beschreibt das Weihnachtsgeschehen in einfacher, schlichter Weise. Der Tonumfang des volksliedhaften Liedes ist auf eine Quinte beschränkt, es ist für jeden leicht, mitzusingen. Gerade in seiner edlen Einfachheit ist es besonders anrührend. Die Aufnahme von Fritz Wunderlich und Hermann Prey aus dem Jahre 1966 macht dies besonders deutlich..

1.
Was soll das bedeuten? Es taget ja schon.
Ich weiß wohl, es geht erst um Mitternacht rum.
Schaut nur daher. Schaut nur daher.
Wie glänzen die Sternlein je länger, je mehr.

2.
Treibt z’sammen, treibt z’sammen die Schäflein fürbaß!
Treibt z’sammen, treibt z’sammen, dort zeig ich euch was:
Dort in dem Stall, dort in dem Stall
werdet Wunderding sehen, treibt z’sammen einmal!

3.
Ich hab nur ein wenig von weitem geguckt,
da hat mir mein Herz schon vor Freuden gehupft:
Ein schönes Kind, ein schönes Kind
liegt dort in der Krippe bei Esel und Rind.

4.
Ein herziger Vater, der steht auch dabei,
eine wunderschöne Jungfrau kniet auch auf dem Heu,
Um und um singt’s, um und um klingt’s,
man sieht ja kein Lichtlein, so um und um brinnt’s.

5.
Das Kindlein, das zittert vor Kälte und Frost.
Ich dacht mir: wer hat es denn also verstoßt,
dass man auch heut, dass man auch heut
ihm sonst keine andere Herberg anbeut?

6.
So gehet und nehmet ein Lämmlein vom Gras
und bringet dem schönen Christkindlein etwas.
Geht nur fein sacht, geht nur fein sacht,
auf dass ihr dem Kindlein kein Unruh nicht macht

7 Resonet in laudibus

Resonet in laudibus ist ein“Kurrendesang“. Dieses Wort stammt vom lateinischen Wort currere = laufen. In der Reformationszeit gingen die Lateinschüler am Weihnachtsabend von Haus zu Haus und sangen Wechselgesänge. Dafür erhielten sie Weihnachtsgaben. Dieses Weihnachtssingen dauerte oft bis spät in die Nacht und ist vor allem in Sachsen, Thüringen und Bayern praktiziert worden. Auch Luther soll ein Weihnachtssänger gewesen sein.
Der lateinische Choral Resonet in laudibus stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde im Gottesdienst mit anderen Chorälen wie Magnum nomen domini oder Angelus pastoribus abwechselnd gesungen. Die Melodien der Choräle sind einander sehr ähnlich. Ebenfalls im 14. Jahrhundert verfasste ein Salzburger Mönch einen deutschen Text, der ebenfalls in die Praxis des gottesdienstlichen Wechselgesangs aufgenommen wurde und bis heute populär ist:

Joseph, lieber Neve min,
hilf mir wiegen das Kindelîn,
daß Gott müeße din Lohner sin
im Himmelrich der Maide Kind Maria.

Es gibt eine Vielzahl an mehrstimmigen Vertonungen des Resonet in laudibus, z.B. von Orlando di Lasso, Johannes Eccard oder Michael Praetorius.

Hier finden Sie eine wunderbar beschwingte Fassung der Vertonung von Michael Praetorius in der Interpretation der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner.

Resonet in laudibus
cum iocundis plausibus
syon cum fidelibus
apparuit quem genuit Maria.

Omnes nunc concinite,
nato regi psalite,
voce pia dicite:
Sit gloria Christo nostro infantia.

Hell erschallt der Lobgesang,
fröhlich folgt der Widerklang:
Zion ist der frommen Schar
erschienen heut, geboren von Maria.

Alle drum gemeinsam singt,
Gottes Lob in Psalmen klingt,
ruft mit frommer Stimme all’:
Sei Lob und Ehr’ dem Christkind dort im Stalle!
(Deutsche Textfassung: Hilger Schallehn)

8 Heller gold’ner Stern

Das Lied wurde 2013 für das Kindermusiktheater O Jesulein zart komponiert. Das Theaterstück von Nelly Danker handelt von einem Hirtenknaben, der sich alleine auf den Weg macht, um das Jesuskind zu finden. Er folgt dem Stern und ist der erste Besucher des neugeborenen Kindleins.
2018 erschien die Geschichte als Kinderbuch unter dem Titel Der kleine Hirte und das Weihnachtswunder von Silvia Schröer und Silke Schwarz, nach der Idee von Nelly Danker im Verlag Randomhouse / Penguin Books.

Im Lied wird die Quintessenz der Geschichte zusammengefasst, denn Liran, der Hirtenjunge bringt Jesus ein ganz besonderes Geschenk mit: seine Liebe. In Text und Musik wird das reine kindliche Liebe-Volle gespiegelt.
Hier musizieren Justus Schwarz (Knabensopran) und Johannes Vogt (E-Gitarre).

1.
Oben hoch am Himmelszelt,
helle Sternlein funkeln,
hier auf diesem weiten Feld
such ich den Weg im Dunkeln.

Refrain
Heller gold’ner Stern,
leuchtest von fern,
zeig den Weg mir zu dem Kind im Stall,
folgen will ich deinem Licht,
suchen, bis der Tag anbricht.

2.
Engelsstimmen singen hell:
„Den Frieden verkünde!“
Auf dem Pfade lauf ich schnell
bis ich Jesus finde.
Refrain

3.
In der kalten Krippe liegt
er nur auf Stroh gebettet.
Zärtlich ihn Maria wiegt,
ich weiß, wir sind gerettet.
Refrain

9 Es ist ein Ros’ entsprungen

Dieses Lied finden wir zum ersten Mal in einem Speyrer Gesangbuch, dem Alten Catholischen Geistlichen Kirchengeseng von 1599. 1609 komponierte der Protestant Michael Praetorius einen vierstimmigen Satz, der bis heute bei keinem Weihnachstfest fehlen darf. Hier finden Sie eine sehr schöne Aufnahmen mit dem Vocal Concert Dresden unter Peter Kopp.

Auch dieses Lied ist ein Allegorie-Lied. Mystische Symbole wie das Schiff, das Tor oder die Rose werden zu Sinnbildern des Weihnachtswunders. Am Bild der Rose, bzw. an deren Zuschreibung wurde der Graben zwischen Katholizismus und reformierten Glauben deutlich. Es existiert nämlich eine katholische und eine von Praetorius protestantisch „übersetzte“ Textfassung.
Der Uneinigkeit besteht in der Frage, wer nun Reis und wer Rose ist. In beiden Fassungen wird in der ersten Strophe auf Jes 11, 1 Bezug genommen, wo es heißt:

Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln.

Der in der Bibelstelle erwähnte Isais ist der Vater von König David. Er wird im Liedtext zu Jesse. In der katholischen Fassung der zweiten Strophe von 1599 wird das Rätsel der ersten Strophe, wer die Rose nun ist, folgendermaßen aufgelöst:

Das Röslein, das ich meine
davon Jesaja sagt
ist Maria die reine,
die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb doch reine Magd.

Praetorius änderte die Strophe folgendermaßen:

Das Röslein, das ich meine
davon Jesaja sagt
hat uns gebracht alleine
Marie die reine Magd.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
wohl zu der halben Nacht.

In dieser Version wird das Rätsel nicht aufgelöst, sondern erläutert, dass das Röslein von Maria, geboren wurde. Somit kann auf Christus als Rose geschlossen werden.
Der evangelische Pastor Friedrich Layruz schrieb weitere Strophen, von denen die dritte heute zum Kanon gehört. Es nimmt die Rose-Christus Allegorie auf und verbindet die Symbolik des Neugeborenen, dem kleinen, süß duftenden Blümelein mit dem Erlösungstopos durch den Christusgeist.

1
Es ist ein Ros‘ entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein ‚bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

2
Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd;
aus Gottes ew’gem Rat
hat sie ein Kind geboren
wohl zu der halben Nacht.

3
Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis.
Wahr‘ Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

10 Away in a manger

Das englische Krippenlied wurde 1895 veröffentlicht und stammt von William James Kirkpatrick (1838-1921). Bereits zehn Jahre früher ist der Text in einer anderen musikalischen Version von James Ramsey Murray (1841-1905) vertont worden. Diese Fassung hat im lutheranischen Kontext in den USA bis heute ihren Platz, während die Version von Kirkpatrick sich in Großbritannien großer Beliebtheit erfreut.
In der ersten Zeile des Liedes gibt es ein schönes Wortspiel mit den zwei verschiedenen Worten für Krippe: manger und crib. Manger und crib stehen im Britischen Englisch für die klassische Futterkrippe, während crib im Amerikanischen Englisch das Wort für Babybettchen ist. Das Wort manger (Futtertrog) stammt vom französischen manger (essen), bzw. lateinischen manducare (essen, kauen) und wurde bereits im 12. Jhd. als Substantiv ins Englische übernommen. Crib stammt vom Althochdeutschen krippa (geflochtener oder gezimmerter Trog).
Lange hielt sich das Gerücht, der Text stamme von Martin Luther, der das Lied seinen Kindern als Schlaflied gesungen hätte. In manchen Liederbüchern wird deswegen Luther auch als Verfasser des Liedes vermerkt.

Hier finden Sie die Version von William James Kirkpatrick mit dem St. Pauls Cathedral Choir:

Die amerikanische Version des Liedes von James Ramsey Murray erscheint unter der Bezeichnung Mueller und wird hier von in einer Fassung für Klavier von Joshua David Harris gespielt.

Away in a manger, no crib for a bed,
The little Lord Jesus laid down His sweet head.
The stars in the bright sky looked down where He lay,
The little Lord Jesus, asleep on the hay.

The cattle are lowing, the Baby awakes,
But little Lord Jesus, no crying He makes;
I love Thee, Lord Jesus, look down from the sky
And stay by my side until morning is nigh.

Be near me, Lord Jesus, I ask Thee to stay
Close by me forever, and love me, I pray;
Bless all the dear children in Thy tender care,
And fit us for Heaven to live with Thee there.

11 O Jesulein zart (O Jesulein süß)

Melodie und Text des Liedes O Jesulein zart wurden erstmals 1635 im Vexillum Patientiae von Johann Kuhn veröffentlicht und erschienen 1650 im Görlitzer Tabulatur von Samuel Scheidt. Der Text stammt aus dem Kölner Gesangsbuch (Strophen 1-3), bzw. dem Straßburger Gesangsbuch (Strophen 4-5), in beiden Fassungen mit anderer Melodie.

Es ist unklar, wer Komponist dieses berührenden Krippenlieds ist. Die Melodie erscheint im 17. Jahrhundert in evangelischen Gesangsbüchern auch als Pfingstlied (O heil’ger Geist mit deiner Gnad).
Johann Sebastian Bach (1685-1750) veröffentlichte 1735 eine Version der Melodie mit Basso Continuo Begleitung im Musikalischen Gesangbuch von Georg Christian Schemelli.
Bach unterlegte die Melodie mit der Textfassung des Dichters und Theologen Valentin Thilo (1607-1662), die mit den Zeilen O Jesulein süß, o Jesulein mild beginnt.
Max Reger (1873-1916) hat 1899 eine vierstimmige Fassung in seinen Sieben Geistlichen Volksliedern für gemischten Chor veröffentlicht, die neben der Fassung von Bach ebenfalls häufig aufgeführt wird.

Hier finden Sie eine Aufnahme des Satzes von Johann Sebastian Bach mit den Zürich Chamber Singers unter Christian Erny.

Aus dem Musikalischen Gesangbuch von Georg Christian Schemelli

Textfassung nach Kuhn und Scheidt:

1
O Jesulein zart,
dein Kripplein ist hart,
o Jesulein zart,
wie liegst du so hart.
Ach schlaf, ach tu die Äuglein zu,
schlaf und gib uns die ewige Ruh‘!
O Jesulein zart,
wie liegst du so hart,
o Jesulein zart,
dein Kripplein ist hart.

2
Schlaf, Jesulein, wohl!
Nichts hindern dich soll;
Ochs’, Esel und Schaf
sind alle in Schlaf.
Schlaf, Kind, schlaf, tu die Äuglein zu,
schlaf und gib uns die ewige Ruh’!
Ochs’, Esel und Schaf
sind alle in Schlaf;
nichts hindern dich soll,
schlaf, Jesulein, wohl!

3.
Die Seraphim singen
und Cherubim klingen;
viel’ Engel im Stall,
die wiegen dich all’.
Schlaf, Kind, schlaf, tu die Äuglein zu,
schlaf und gib uns die ewige Ruh’!
Die Seraphim singt
und Cherubim klingt;
viel’ Engel im Stall,
die wiegen dich all’.

4.Seid stille, ihr Wind’,
lasst schlafen das Kind!
All’ Brausen sei fern,
es ruhen will gern.
Schlaf, Kind, schlaf, tu die Äuglein zu,
schlaf und gib uns die ewige Ruh’!
Ihr Stürme, halt’t ein,
das Rauschen lasst sein!
Seid stille, ihr Wind’,
lasst schlafen das Kind!

5.Nichts mehr sich bewegt,
kein Mäuschen sich regt,
zu schlafen beginnt
das herzliche Kind.
Schlaf denn und tu dein‘ Äuglein zu,
schlaf und gib uns die ewige Ruh‘!
Nichts mehr man dann singt,
kein Stimmlein mehr klingt:
Schlaf, Jesulein zart,
von göttlicher Art!

Textfassung nach Valentin Thilo:

1.
O Jesulein süß, o Jesulein mild,
des Vaters Will’n hast du erfüllt,
bist kommen aus dem Himmelreich,
uns armen Mensehen worden gleich,
o Jesulein süß, o Jesulein mild!

2.
O Jesulein süß, o Jesulein mild,
dein’s Vaters Zorn hast du gestillt.
Du zahlst für uns all‘ unsre Schuld
und bringst uns deines Vaters Huld,
o Jesulein süß, o Jesulein mild.

3.
O Jesulein süß, o Jesulein mild,
mit Freud‘ hast du die Welt erfüllt;
du kommst herab von’s Himmels Saal
und tröst’st uns in dem Jammertal,
o Jesulein süß, o Jesulein mild.

4.
O Jesulein süß, o Jesulein mild!
Sei unser Schirm und unser Schild,
wir bitten durch dein Geburt im Stall,
beschütz uns all vor Sündenfall.
O Jesulein süß, o Jesulein mild

12 In dulci jubilo

Belege dieses alten Kirchenlieds lassen sich bis in s 14. Jahrhundert nachweisen. In der Medinger Handschrift von 1335 des dortigen Zisterzienserinnenklosters ist eine Fassung des Textes mit Neumen zu finden. Es wird davon ausgegangen, dass das Lied auf einen gregorianischen Gesang zurückzuführen ist.
Der Ursprung des Textes ist ungeklärt. Beim Text handelt es sich um lateinisch-deutsche Mischpoesie. Hofmann von Fallersleben beschreibt in seiner Geschichte der deutschen Poesie (1861) die große Anzahl lateinisch-deutscher Mischpoesie seit dem 10. Jahrhundert. Waren diese ursprünglich zur Erbauung gedacht, mit dem Nutzen, dem Volk den lateinischen Text der geistlichen Literatur näher zu bringen, entwickelten sich aus dieser mönchischen Tradition im 13. Jahrhundert Glossenlieder, die der Belustigung dienten. Als Gegenbewegung zu dieser Vagantenliteratur wurde lateinisch-deutschen Mischform wieder in die geistliche Literatur zurückgeführt. Eines der ersten dieser geistlichen Lieder ist In dulci jubilo. Darin werden biblische Motive aus dem Johannes-Evangelium (Alpha und Omega) und dem Hohelied Salomonis (Trahe me post te) verarbeitet und in einen weihnachtlichen Kontext übertragen.
Über die Jahrhunderte wurde dieses Lied auf vielfältige Weise rezipiert und verarbeitet. In der Renaissance verfassten Johann Eccard (1553-1611), Michael Praetorius (1571-1621) und Samuel Scheidt (1587-1654) mehrstimmige Sätze des Liedes. Dietrich Buxtehude (1637-1707) komponierte ein Choralvorspiel BuxWV 197 und eine Kantate BuxVW 52. Johann Sebastian Bach verarbeitete die Melodie in mehreren Fassungen und auch in der Romantik entstanden Sätze von Johannes Brahms, Max Reger, Carl Loewe oder dem englischen Komponisten Robert Pearsall.

Hier hören Sie das Lied in der Fassung des Renaissance-Komponisten Johann Eccard, gesungen vom Thomanerchor Leipzig unter Hans-Joachim Rotzsch.

1.
In dulci jubilo,
nun singet und seid froh!
Unsers Herzens Wonne
leit in praesepio
und leuchtet wie die Sonne
matris in gremio.
Alpha es et O.

2.
O Jesu parvule,
nach dir ist mir so weh.
Tröst mir mein Gemüte,
o puer optime,
durch alle deine Güte,
o princeps gloriae.
Trahe me post te!

3.
Ubi sunt gaudia?
Nirgend mehr denn da,
da die Engel singen
nova cantica,
und die Schellen klingen
in regis curia.
Eia, wär’n wir da!

Teil 13 -24 finden Sie im Beitrag: Adventskalender Teil 2

Quellen

Theo und Sunhilt Mang: Der Liederquell. Dörfler Verlag, 2015.

Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 151 deutsche Advents- und Weihnachtslieder.Schott, 2008.

Alojado-Liederarchiv: https://www.lieder-archiv.de/lieder_themen.html

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